Skip to navigation Skip to content

Arno Geiger wird nächster Preisträger des Friedrich-Schiedel-Literaturpreises – Verleihung erfolgt 2021

Arno Geiger (Foto ©Heribert Corn)

Der mit 10.000 Euro dotierte „Friedrich-Schiedel-Literaturpreis“ wird alle zwei Jahre vergeben. Als kommenden Preisträger hat die Jury der Stiftung den österreichischen Autor Arno Geiger und seinen 2018 erschienenen geschichtlichen Roman „Unter der Drachenwand“ im Kontext des zweiten Weltkriegs ausgewählt. Angesichts der derzeitigen Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie wird die ursprünglich für September geplante Preisverleihung allerdings erst im kommenden Jahr stattfinden.

Der Friedrich-Schiedel-Literaturpreis zeichnet Werke aus, die Inhalte der Geschichte des deutschsprachigen Raumes seit etwa 1715 einem breiten Leserkreis menschlich bewegend und in würdiger, literarisch wertvoller Form nahebringen. Der Preis verbindet damit Geschichtswissenschaft und Literatur und ist mit dieser Zielsetzung einmalig in Deutschland. „Das Buch zeichnet sich aus durch eine besondere literarische Leistung, da die Erzählperspektive der damaligen Zeit entspricht und nichts von späteren Erkenntnissen aus heutiger Zeit vorweggenommen wird“, begründet die Jury unter anderem die Auszeichnung von Arno Geiger.

Die mit Literatur- und Geschichtswissenschaftlern sowie Personen des öffentlichen Lebens besetzte Jury unter Vorsitz des in München ansässigen Rechtsanwalts Dietrich von Buttlar hatte sich einstimmig für „Unter der Drachenwand“ entschieden. Dieses Werk, bei dem ein kriegsversehrter Heimkehrer im Jahr 1944 im Mittelpunkt steht, der sich zurückzieht und versucht, die Kriegserlebnisse zu verarbeiten, entspreche der im Geiste Friedrich Schiedels geforderten Literatur vollumfänglich. Die Jury habe dabei insbesondere die Authentizität des „Anti-Kriegs-Romans“ überzeugt.

Der in Vorarlberg geborene und in Wien und Wolfurt lebende freie Schriftsteller hat Deutsche Philologie, Alte Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft in Innsbruck und Wien studiert und war unter anderem von 1986 bis 2002 bei den Bregenzer Festspielen als Ton- und Videotechniker tätig. Neben seinem mit dem Friedrich-Schiedel-Literaturpreis prämierten Werk hat er zahlreiche weitere Bücher geschrieben, darunter Werke wie die Romane "Es geht uns gut" (2005) und "Alles über Sally" (2010) oder den autobiographischen Bericht "Der alte König in seinem Exil" (2011). Für sein literarisches Wirken wurde der Autor bereits mehrfach ausgezeichnet - beispielsweise mit dem Joseph-Breitbach-Preis 2018, dem Alemannischen Literaturpreis 2017, dem Friedrich Hölderlin Preis 2011 oder dem Deutschen Buchpreis 2005.

„Geplant war die Verleihung des Literaturpreises eigentlich im Bad Wurzacher Kurhaus am Kurpark für den 27. September“, so Bürgermeisterin Alexandra Scherer. Leider habe sich schon seit Wochen abgezeichnet, dass die Veranstaltung nicht in üblichem Rahmen hätte stattfinden können. „Dichtgedrängte Bühne mit klangvollen Stücken von der Stadtkapelle – vollbesetzter Saal mit zahlreichen Gästen – das sind alles Dinge, die zurzeit einfach nicht vorstellbar sind“. Trotzdem habe man bis zuletzt mit einer endgültigen Entscheidung abgewartet.

Unter anderem nach Bedenken aus der Jury, die schon allein mit Vertretern aus München, Graz, Fulda oder Bonn aus einem weitläufigen Raum zusammengekommen wären, sei man zum Schluss gelangt, dass mit einer Verschiebung ins nächste Jahr die Chance auf einen würdigeren Rahmen für die Verleihung gewahrt werden kann. „Wir hätten ansonsten nur einen recht kleinen Kreis an geladenen Gästen mit einbeziehen können“, so Bürgermeisterin Scherer weiter. Stattfinden soll die Verleihung nun voraussichtlich am Sonntag, den 26. September 2021. „Wir hoffen, dass wir dann auch wieder den üblichen Rahmen mit Autorenlesung, Vorträgen an den Schulen usw. bieten können“.

Seit 1983 wird der Friedrich-Schiedel-Literaturpreis der Stadt Bad Wurzach im zweijährigen Rhythmus verliehen. Er wurde 1982 vom Unternehmer Senator e.h. Friedrich Schiedel seiner Heimatstadt Bad Wurzach gestiftet. Schiedels Anliegen war es, einen Preis für Geschichtsschreibung in literarisch wertvoller Form auszuloben. Arno Geiger ist mittlerweile der 20. Preisträger und folgt damit Persönlichkeiten wie Brigitte Hamann, Wibke Bruhns, Gustav Seibt, Günter de Bruyn, Golo Mann, Helmut Schmidt oder dem zuletzt ausgezeichneten Wolfgang Brenner.