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Friedrich Schiedel Stiftungen gedenken des 100. Geburtstags ihres Stifters

Foto: Elisabeth und Helmuth Morczinietz

Am 13. September wäre der Unternehmer und Ehrenbürger der Stadt Bad Wurzach, Friedrich Schiedel, 100 Jahre alt geworden.

Wie kaum ein anderer übernahm der Senator ehrenhalber als Förderer und Gönner auch über seinen Tod hinaus soziale und gesellschaftliche Verantwortung. In einem Festakt für geladene Gäste erinnern die vier von ihm gegründeten Stiftungen an seinem 100. Geburtstag in Bad Wurzach an das Lebenswerk des gebürtigen Baierzers (heute Stadt Bad Wurzach). Festredner ist der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Erwin Teufel.

Aus bescheidenen Anfängen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg - mit einer geliehenen Schaufel und einer geliehenen Schubkarre, wie Schiedel gerne erzählte – entwickelte der oberschwäbische Unternehmer innerhalb weniger Jahre einen in Europa führenden Kaminsystem-Hersteller mit 500 Mitarbeitern. Sein Freund und Weggefährte, der Autor, Verleger und Lexikograph Prof. Dr. Hans-Joachim Störig, sagte angesichts dieses steilen Aufstiegs: „Der Anfang war so bescheiden, wie der Abschluss imponierend.“

Diese Einschätzung des Lebenswerks von Friedrich Schiedel hat auch über dessen Tod hinaus seine Gültigkeit behalten. Zeitlebens galt Schiedel als innovativer Unternehmer mit ausgeprägtem sozialem Gewissen, großer Heimatverbundenheit und einer Liebe zu Kunst und Literatur. Es gelang ihm, diese Werte auch nach seinem Tod im Jahr 2001 durch vier von ihm gegründete Stiftungen lebendig zu erhalten. Denn bereits zu Lebzeiten hatte der Unternehmer einen Großteil seines Vermögens in vier Stiftungen eingebracht, die jährlich mehrere hunderttausend Euro für soziale, wissenschaftliche, literarische und heimatgeschichtliche Zwecke ausschütten.

Was heute unter dem Begriff „corporate social responsibility“ in vielen Unternehmen fest verankert ist, hatte Schiedel bereits in den 80er Jahren erkannt: Die Verpflichtung, als Unternehmer eine gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Sein größtes Stiftungsprojekt, die 1986 gegründete „Friedrich Schiedel Stiftung München“, hat bis heute mehr als 13 Mio. Euro an Fördermitteln in soziale und wissenschaftliche Projekte investiert. Vor allem junge und ältere Menschen im Landkreis Ravensburg und in Schiedels Heimatstadt Bad Wurzach profitieren von den Stiftungsgeldern. In den vier Allgäu-Städten Bad Wurzach, Wangen, Leutkirch und Isny wurde der Sozialdienst „Herz und Gemüt“ zur Betreuung älterer Mitbürger eingerichtet. Junge Menschen fördert die Stiftung seit 2004 am Gymnasium Salvatorkolleg Bad Wurzach in einem Begabtenprojekt.

In der „wissenschaftlichen Komponente“ dient die Stiftung Universitätsinstituten und wissenschaftlichen Forschungsprojekten, insbesondere an der Technischen Universität München, mit der Schiedel seit Beginn seiner Unternehmertätigkeit eng zusammengearbeitet hatte. Herausragende Förderprojekte sind der Friedrich-Schiedel-Lehrstuhl für Neurowissenschaften 2006 sowie ein neuer Lehrstuhl für Wissenschaftssoziologie im Rahmen der Exzellenzinitiative der TU München 2012.

Auf Schiedels Innovationsfreude geht die 1982 in Wien gegründete „Friedrich Schiedel Stiftung für Energietechnik“ zurück. Ihr Augenmerk gilt heute der Suche nach Lösungen für eine nachhaltige, wettbewerbsfähige und sichere Energiegewinnung, besonders den nachwachsenden Rohstoffen Holz und Biomasse. Dabei fördert die Stiftung Forschungs- und Lehrvorhaben und damit verbundene wissenschaftliche Publikationen und Dokumentationen österreichischer Forscher und Forscherinnen. Unterstützt wurden bisher rund 40 Vorhaben und Projekte.

Wer die Geschichte nicht kennt, kann die Gegenwart nicht einordnen. Dieser Überzeugung war Friedrich Schiedel zeitlebens. Und sie war für ihn der Impuls, das historische Bewusstsein durch die Auslobung des „Friedrich Schiedel Literaturpreises der Stadt Bad Wurzach“, dotiert mit 10.000 Euro, zu fördern. Seit 1983 wird dieser Literaturpreis im zweijährigen Rhythmus für Werke verliehen, die Inhalte der Geschichte des deutschsprachigen Raumes seit etwa 1715 einem breiten Leserkreis menschlich bewegend und in würdiger, literarisch wertvoller Form nahe bringen. Der Preis verbindet damit Geschichtswissenschaft und Literatur und ist mit dieser Zielsetzung einmalig in Deutschland. Preisträger waren unter anderem Sebastian Haffner, Golo Mann und Martin Walser.

Friedrich Schiedel war ein weltzugewandter, international tätiger Unternehmer. Doch das besondere Band zu seiner oberschwäbischen Heimat blieb immer erhalten. 1999 gründete er deshalb die Stiftung „Friedrich Schiedel Wissenschaftspreis zur Geschichte Oberschwabens“. Stiftungszweck ist es, die Geschichte Oberschwabens zu erforschen und ein objektives, oberschwäbisches Geschichtsbewusstseins zu entwickeln und zu verbreiten. Seit 1999 haben acht Persönlichkeiten die 10.000 Euro Preisgeld erhalten.

Würdigung erfuhr das unternehmerische, soziale und gesellschaftliche Lebenswerk Friedrich Schiedels unter anderem durch das Bundesverdienstkreuz I. Klasse, das Große Ehrenzeichen für die Verdienste um die Republik Österreich, die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg , den Bayerischen Verdienstorden und die Ehrensenatorwürde der Technischen Universität München. Darüber hinaus ist Schiedel Ehrenbürger seiner Heimatstadt Bad Wurzach, der Gemeinde Schwabhausen und des Marktes Schöllnach.

Anlässlich des 100. Geburtstages von Schiedel hat der frühere Kulturchef der Schwäbischen Zeitung, Rolf Waldvogel, das Buch „Friedrich Schiedel 1913 bis 2001 – Zum Gedenken an einen großen Unternehmer und Gönner“ verfasst. Das Buch erscheint bei der Biberacher Verlagsdruckerei und ist ab dem 16. September für 19,80 Euro im Buchhandel unter der ISBN-Nummer 978-3-943391-36-7 erhältlich.