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Hauerz

Beschreibung und Geschichte

Hauerz liegt an der östlichen Gemeindegrenze Richtung Aitrach. Die schöne Pfarrkirche strahlt über den ganzen Ort, der zwischen zwei malerischen Bachläufen liegt. Die Ortschaft Hauerz, ehemaliges Heilbad, bietet dem Besucher unzählige Wandermöglichkeiten. Eine intakte Landschaft mit vielen Weilern und Einzelgehöften, ausgedehnten Wäldern, einem beheizten Freibad sowie gemütlichen Gasthöfen mit gutbürgerlicher Küche charakterisieren den Ort.

Hauerz tritt der Überlieferung nach erstmals im Jahre 1126 als "Huward" bei der Gründung des Klosters Rot an der Rot auf. In diesem Jahr soll die aus Oberschwaben stammende adelige und sehr fromme Dame Henna (auch "Heina"), Witwe Heinrichs von Wildenberg (Sitz Burg Freudenberg in Graubünden) mit Zustimmung ihrer beiden Söhne Cuno und Reiniger die ihr gehörenden und mit ihr in "Huward" pfärrigen Güter, so die Höfe Schöllhorn, Senden, Boschen und Schöntal, an das neue Kloster "vergabt" haben.
1272 tauscht das Kloster Ochsenhausen, das hier auch Grund- und Lehensherr war, Güter aus der Pfarrei "Huwarts" gegen andere aus Reinstetten mit einem gewissen Konrad, genannt Lueger (Bona in Huwarts Conrado militi dicto Lueger).
1275 wird die Pfarrei Hauerz, diesmal "Huwartz" geschrieben, mit vielen anderen Orten auf einer Zehntabgabeliste genannt. Der erhobene Zehnte diente zur Schuldentilgung des 7. und letzten Kreuzzugs unter Ludwig dem Frommen von Frankreich.
Aus der Zeit um 1350 stammt der hochragende Kirchturm (42 m hoch und 7 m breit). Er birgt drei Glocken aus den Jahren 1572, 1684 und 1719.
1446 verkauft Hildebrand Wielin von Winnenden die Lehenschaft und den Kirchensatz (Patronats-recht) der Kirche an Truchseß Georg I. von Waldburg.
1462 beginnt mit Pfarrer Johannes Symon die Reihe der hiesigen Pfarrer.
1470 stirbt an der Pest fast die Hälfte aller Einwohner von Hauerz.
1481 (14./21. Juli) stellt Kirchherr (Pfarrer) Johannes Simon eine Urkunde darüber aus, dass er mit Erlaubnis des edlen Herrn Jörgen Truchsessen von Waldburg sel. Gedächtnis das "Haus zum Huwartz" und zwei Weiher gebaut habe. Dieses Haus samt den Weihern sollte er sein Lebtag inhaben, nutzen und nießen. Nach seinem Tode sollte alles wieder an das Haus Waldburg zurückfallen. Bei diesem festen Haus handelte es sich um ein burgartiges Schlösschen, das von einem Graben umgeben war und später als "Burg" bzw. "Schlößlein" (1662) und "Schlößchen" (1683) bezeichnet wird. Im Jahre 1797 werden die noch vorhandenen "Ruinen" abgebrochen und müssen "zu einem Wieswachs zugerichtet" werden.
Der Flurname "Hinter der Burg" erinnert noch heute an dieses "Haus zum Huwartz". An gleicher Stelle wurde später das fürstliche Forsthaus errichtet.
1525 (2. April) wird unter Beteiligung von aufständischen Bauern aus Hauerz die Burg Marstetten erobert und geplündert, wobei den Aufständischen eine Beute von 6.000 fl (Gulden) in die Hände fällt. Die Hauerzer Plünderer müssen 10 Jahre später für ihre Tat eine Geldbuße von 500 fl bezahlen.
Wahrscheinlich im Jahre 1567 entsteht die zweite, im gotischen Stil gebaute Kirche, die erst 1908 der jetzigen Kirche weichen muss. Der Überlieferung nach soll davor eine Holzkirche am gleichen Platz gestanden haben.
1574 stirbt an der Pest erneut beinahe die Hälfte der Einwohner.
1618-48 sucht während des 30-jährigen Krieges die Pest, der "Schwarze Tode", gleich dreimal das gesamte Allgäu heim (1618, 1628-1630 und 1634/35). 1629 stirbt an Pest auch der damalige Pfarrer Thomas Jakober; die Pfarrei bleibt danach bis 1653 verwaist.
1622 erhält der Kirchturm ein neues Dach; er wird mit "1600 grünen Blathen auff den Turm" eingedeckt.
Etwa um 1632/33 wird die Pfarrchronik in Immenstadt, wohin sie zum Schutz vor den Schweden verbracht wurde, durch einen Brand vernichtet.
1665 lässt die Herrschaft Zeil bei der Heilquelle in Hauerz eine großzügige Badeanstalt errichten, deren Heilwasser vornehmen Herrschaften zur Kur und Unterhaltung dienen sollte. Der Besuch des Bades beschränkte sich anfänglich in der Hauptsache auch tatsächlich auf die Mitglieder adeliger Familien. Aus Baderechnungen geht jedoch hervor, dass die meisten Gäste der späteren Jahre aus der Umgebung kamen und die Badegelegenheit mehrmals im Jahr wahrnahmen.
Bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts nahm das Bad einen stetigen Aufschwung, so dass um diese Zeit die Herrschaft Wurzach das Badhaus samt dem dazugehörigen Gasthaus "Adler", das als Logierhaus diente, erneuern ließ. Die Napoleonischen Kriege von 1792 - 1814 fügten dem Bad jedoch solche Einbußen zu, dass um 1830 der Badebetrieb aufgegeben werden musste.

1675 fällt Hauerz bei der Teilung der Grafschaft Zeil an die Herrschaft Wurzach und bildet ein eigenes Gericht, zu dem folgende Weiler und Wohnplätze zählen: Baierz, Floders, Frauenlob, Harma, Hauerz, Hellers, Hueb, Kästliswald, Krattenberg, Linden, Pfauzenwald, Rotegg, Rotengrund, Rupprechts, Stählisbronn, Steinental, Talacker, Treherz und Unterhalden.
In einer Werbeschrift "deß Vortrefflichen Gesund- und Baad-Wassers zum Hawartz", die im Jahre 1705 bei Johann Benedict Herckner in Altdorf (Weingarten) gedruckt wurde, sind viele, teilweise
kuriose Heilungserfolge aus den Jahren 1703 und 1705 verzeichnet. Will man dieser Werbeschrift glauben, so musste das Hauerzer "Heyl-Wasser" über geradezu an Wunder grenzende Heilkräfte verfügen.
1714 wird im Teilort Steinental die Kapelle St. Michael und Anna errichtet.
Die überlieferte "Baad-Ordnung" zue Hauartz" aus der Zeit um 1730 ist ein seltenes kultur- und sittengeschichtliches Dokument. In 12 ausführlichen Punkten wird darin der ganze Badebetrieb geordnet. Lästern, Fluchen und religiöse Diskussionen, die nur Unfrieden stiften, werden bei Strafe untersagt. An Sonn- und Feiertagen sollte nur in ganz dringenden Fällen gebadet werden. Besonders aufschlussreich sind die Punkte vier bis sieben, in denen das sittliche und hygienische Verhalten im Bade geregelt wurde.
1793-95 wird unter Pfarrer Georg Kolborn (1786 - 1815) das stattliche zweigeschossige Pfarrhaus mit Mansardwalmdach erbaut.
1797/1803 wird in Hauerz die Vereinödung durchgeführt. Durch das Los bestimmt, müssen insgesamt 19 Familien ihre Häuser im Dorf abbrechen und auf den ihnen zugeteilten, vom Ort entlegenen Grundstücken wieder aufbauen. Durch diese verblüffend einfache Art von Flurbereinigung sind insbesondere die Einödhöfe in Weidet, Noppen, Buch und Samgraben entstanden.
Zusammen mit der 1803 gefürsteten Herrschaft Zeil-Wurzach wird Hauerz im Jahr 1806 württembergisch und 1810 dem Oberamt Leutkirch zugeteilt.
1846 gründet Vikar Karl Ryz, später Pfarrer in Isny, zusammen mit Leopold Wörz, Johannes Herrmann, Augustin Huber und dem alten Butscher von Floders einen Bürgerverein.
In der Oberamtsbeschreibung Leutkirch von Pauly aus dem Jahre 1848 ist besonders augenfällig der früher relativ hohe Stand der hiesigen Gewerbebetriebe, die ihr Aufblühen hauptsächlich der reichlich vorhandenen Wasserkraft verdanken. Erwähnt werden dort u.a. drei Mahl- und eine Gerstenmühle, eine Öl- und zwei Sägemühlen sowie eine Hammerschmiede. Neben einer kleinen Blasebalgfabrik sind bei den Handwerkern besonders die Huf- und Nagelschmiede und die Hafner erwähnt. Außerdem bestand in Hauerz lange eine Papiermühle, deren Papiere mit dem Wasserzeichen "Hauarz" noch im vergangenen Jahrhundert vorhanden waren.
1849 (26. Februar) wird im Teilort Buch als Sohn einfacher Bauersleute der Pfarrer und bedeutende Historiker Dr. Joseph Vochezer geboren. Dr. Vochezer war einer der besten Kenner der Geschichte Oberschwabens. Sein Lebenswerk, die dreibändige "Geschichte des fürstlichen Hauses Waldburg in Schwaben", ist bis heute unübertroffen und schon allein wegen der ungeheuren Fülle des verarbeiteten Quellenmaterials nicht ersetzbar. Zudem veröffentlichte er zahlreiche Aufsätze in verschiedenen Zeitschriften, darunter einen Beitrag zur Geschichte der Pfarrei Hauerz. Zuletzt war er Pfarrer in Enkenhofen und starb dort am 11. Juli 1904.
1854 (30. April) brennt das Rat- und Schulhaus samt allen Urkunden, Akten und Schulschriften ab.
1903 (11. September) wird in Hauerz Dr. Carl Joseph Leiprecht, der 8. Bischof der Diözese Rottenburg, geboren. Er war Ehrenbürger der Gemeinde Hauerz und starb ab 29. Oktober 1981 in Ravensburg.
1908/11 wird unter Pfarrer Stephan das alte gotische und durch die Einpfarrung von Rupprechts (27.09.1870) auch zu klein gewordene Kirchenschiff abgebrochen und an gleicher Stelle in neuromanischem Stil wieder aufgebaut. Die Einweihung erfolgt am 23. Mai 1911 durch H. H. Bischof Keppler.
1909 wird die Musikkapelle Hauerz als "Gesellschaft für Blechmusik" gegründet. Erster Dirigent und zugleich aktives Mitglied ist Lehrer Ernst Schuhmacher.
1932 wird die Exklave Talacker aus dem Gemeindeverband nach Seibranz entlassen. Dafür kommt Schöllhorn von Spindelwag nach Hauerz. Talacker ist heute Sitz des Klosters "Marienau", die einzige von Mönchen bewohnte Kartause in Deutschland.
1965/69 Gründliche Innen- und Außenrenovation der Pfarrkirche St. Martin.
1972 (1. Juli) Eingliederung der Gemeinde Hauerz in die Stadt Bad Wurzach.