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Seibranz

Beschreibung und Geschichte

Seibranz ist der höchstgelegene Ort der Raumschaft Bad Wurzach. Die Gemarkung erstreckt sich auf dem risseiszeitlichen Moränenzug, der sich um die Starkenhofer Eiszunge gelegt hat. Der Wachbühl erreicht mit 791 m NN den höchsten Punkt der ganzen Raumschaft um Bad Wurzach. Dieser Aussichtspunkt gewährt einen hervorragenden Blick auf die Alpenkette. Die hohe Lage setzt Seibranz ungeschützt den rauen Witterungseinflüsse aus Nord und West aus. Freizeit- und Kinderspielplätze, eine Grillstelle, eine Schutzhütte mit sanitärer Ausstattung, das Landschaftsschutzgebiet Butzenmühle und 35 km Wanderwege gibt es in Seibranz. Eine Besonderheit ist das einzige von Mönchen bewohnte deutsche Kartäuserkloster "Marienau". Sportplätze, Seibranz erhielt im Kreiswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" zehn 2. und einen 1. Preis.

1090 wird Seibranz als "Sibrandesberge" genannt. 1250 wird zwischen "Sigebrandesberg" und "Sigebrandeshofen" unterschieden. Einst kam der heilige Bischof Ulrich von Augsburg nach Seibranz, um zu firmen und traf dort mit dem heiligen Konrad, Bischof von Konstanz zusammen, mit dem er befreundet war. Die Leute klagten St. Ulrich ihr elend. Da kniete sich St. Ulrich am Altar nieder und rief Gott um Hilfe für den wasserarmen Ort an. Darauf ging er vertrauensvoll hin und stieß seinen Bischofsstab kraftvoll in die trockene Erde. Im gleichen Augenblick sprudelte helles, frisches Quellwasser hervor.
1268 sind fromme Wallfahrer zum Ulrichsbrunnen nach Seibranz gezogen, denn dieses Wasser galt als heilkräftig. 1353 wird Sibrantz erstmals als ein einziges Dorf genannt. 1337 kam auch den Kirchensatz d.h. das Patronatsrecht in Seibranz und die Gerichtsbarkeit.
1621 waren die Seibranzer Weber ordentliches Mitglied der Wurzacher Weberzunft. Im 30-jährigen Krieg wütete die Pest im Ort. Bis zum 13.August 1628 waren 200 Leute samt Pfarrer daran gestorben, nur noch sieben Ehen waren davon verschont geblieben. 1628 wurde der Pestgottesacker am Limberg angelegt. 1675 wurde Seibranz durch die Teilung der Herrschaft von den Wurzacher Zunftgenossen getrennt. 1716 und 1746 fanden feierliche Galgenerneurerungen statt. 1719 besaß Seibranz ein Schupflehengut der Leprosenpflege Wurzach. 1731 wurde diese Lehen mit 1 ½ Rossbau samt Haus, Hofreute, Baindt und Sommergarten im Umfang von ca. 20 Jauchert angegeben. 1750 bis 1780 wurde Winterkorn angepflanzt und der Kartoffel- und Kleebau eingeführt. Um 1770 wurde die Gemeinde Seibranz durch harte Hagelwetter und Missernten heimgesucht. Zur Zeit Napoleons führte der Seibranzer Matthäus Halder regelmäßig Frachtfuhren bis nach Bozen, Trient und Venedig durch. 1751 bis1805 wurde Starkenhofen, Rippoldshofen, Seibranzer Ösch und Wengenreute vereinödet. 1803 bildete der Ort einen Teil des Zeiler Gerichtes "auf`m Berg". 1810 wurde der Galgen abgebrochen.

1816/17 waren die Hungersnot und die Teuerung so groß geworden, dass sich in Seibranz alles von Haberbrot und Habermussmehl ernährt. Ab 1850 folgte die Weidewirtschaft, die sich durch die klimatischen Verhältnisse günstig entwickelte. So entstand in Seibranz selbst eine Käserei. 1893 bis 1900 folgten weitere vier größere Käsereien. 1806 verlor die reichsunmittelbare Herrschaft Zeil ihre Souveränität und fiel an das Königreich Württemberg. 1809 büßte die Herrschaft auch ihre eigene Gerichtsbarkeit ein, es bildete sich die Gemeinde Seibranz, an der Spitze trat als erster Schultheiß Anton Dinser an. Das Revolutionsjahr 1848 brachte für Seibranz Aufregung. Schultheiß und Gemeinderat wurden bei einer stürmischen Gemeindeversammlung kurzerhand von den Bürgern zur Abdankung gezwungen. Als Schultheiß wurde der Söldner und Leineweber Thomas Minsch bestellt. Die neuen Freiheiten verleiteten die Seibranzer 1849 den Gemeindewald zu verteilen. 1796 bis 1815 hatte die Gemeinde durch Kriegseinwirkung viel zu erdulden. 1814 wurden 800 Mann österreichischer Truppen in Seibranz einquartiert. 1814 erlagen 39 Bürger dem Nervenfieber. 1895 fordert eine Typhusepidemie 30 Opfer.
Während der beiden Weltkriege hatte Seibranz insgesamt 68 Gefallene und 23 Vermisste zu beklagen. 1910 bis 1911 erhielt Seibranz und Seibranz Ösch eine Wasserleitung. 1914 Findet der schrittweise Anschluss an das elektrische Versorgungsnetz statt.
1970 bis 1973 wurde eine zentrale Gemeindewasserversorgung gebaut und der Ort wurde kanalisiert. Es folgt der Bau eines neuen Rathauses bei der Kirche samt einem Feuerwehrhaus. In der Folge entstanden ein Baugebiet im Nordwesten des Ortes und in neuester Zeit eine Neubausiedlung im Oberdorf.
Wann in Seibranz das Schulwesen einsetzt ist unbekannt. 1633 wird Georg Stueklin ein Organist, Mesner und Schulmeister genannt. 1693 wird ludi Magister Johann Frei erwähnt. Seit 1740 besaß Seibranz eine ständig eigene Schule, damals wurde das Schul- und Mesner-Amt an Johannes Halder übertragen und blieb bis Ende des Jahrhunderts in der Familie. 1787 wurde eine neue Schulstube gebaut, 1829 wurde sie umgestaltet. Der Lehrer erhielt den Schullohn direkt von seinen Schülern, die ihn jeden Samstag mitbringen mussten. 1837 wurde mit dem Bau des neuen Schulhauses begonnen und im Herbst beendet. 1843 brannte die alte Schule bei einer großen Brandkatastrophe ab. 1912 wird die Schule in Starkenhofen gebaut in der bis 1968 unterrichtet wurde. 1913 wird neben dem Rathaus ein neues Schulhaus erstellt und bis 1965 benutzt. Im selben Jahr wird ein neues modernes Schulgebäude mit Lehrschwimmbecken, Turnhalle und Sportplatz gebaut, das bis heute die Schule beherbergt.