Literaturpreisverleihung: Stadt Bad Wurzach

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Komm.ONE - Anstalt des öffentlichen Rechts

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          Literaturpreisverleihung

          Friedrich-Schiedel-Literaturpreis der Stadt Bad Wurzach

          Der Friedrich-Schiedel-Literaturpreis der Stadt Bad Wurzach wird alle zwei Jahre in geraden Kalenderjahren vergeben. Er ist einer der höchstdotierten Literaturpreise Deutschlands. Der Friedrich-Schiedel-Literaturpreis zeichnet Werke aus, die Inhalte der Geschichte des deutschsprachigen Raumes seit etwa 1715 einem breiten Leserkreis menschlich bewegend und in würdiger, literarisch wertvoller Form nahe bringen. Der Preis verbindet damit Geschichtswissenschaft und Literatur und ist mit dieser Zielsetzung einmalig in Deutschland.

          Im folgenden finden Sie Informationen rund um die Preisverleihung:

          News

          Literaturpreisverleihung 2021: „Ein ungreifbarer Augenblick“

          Der in Wien und Wolfurt lebende österreichische Schriftsteller Arno Geiger wurde am gestrigen 10. Oktober mit dem mit 10.000 Euro dotierten Friedrich-Schiedel-Literaturpreis Preis für sein 2018 erschienenes Buch „Unter der Drachenwand“ (Carl Hanser Verlag, München) ausgezeichnet. Zahlreiche Gäste nahmen an der Preisverleihung sowie an der Autorenlesung am Nachmittag im Bad Wurzacher Kurhaus teil.

          In ihrer Begrüßungsansprache bei der Verleihung betonte Bürgermeisterin Alexandra Scherer unter anderem den realitätsnahen Inhalt des Romans, der den Leser in den Alltag der damals Lebenden versetze. „Der Blick richtet sich in „Unter der Drachenwand“ auf das Leben der Durchschnittsmenschen in dieser Krisenzeit und vermittelt auf beeindruckend einfühlsame Weise einen Eindruck vom damaligen Lebensgefühl im deutschen und österreichischen Hinterland.“ Der Krieg habe nicht nur unbeschreibliche Gräuel von drastischer Gewalt mit sich gebracht, er beschädigte auch Menschen auf viel verstecktere Art durch seinen beängstigenden Krisenaufbau im lähmenden Warten auf das Kriegsende und habe so zu einer im aufreibenden Alltag durchlebten „Verzerrung des eigenen Wesens“ geführt, zitierte sie den Ausgezeichneten bei der Verleihung.

          Laudator Wolfgang Niess, selbst Historiker, Autor und Moderator, gab einen umfassenden Einblick in das ausgezeichnete Werk und das Arbeiten von Arno Geiger. „Je mehr ich gelesen hatte, desto mehr hat mich dieser Roman begeistert“. Er kenne keinen historischen Roman, der besser recherchiert sei als „Unter der Drachenwand“. Vom Geschehen an den Kriegsfronten, bis zum Alltag im sechsten Jahr des Krieges, von den Überflugrouten der alliierten Bomberverbände bis zur zeitlichen Abfolge der Deportationen von Juden in verschiedenen Ländern im deutschen Herrschaftsbereich – „Hier stimmt einfach alles. Arno Geiger hat sich ein präzises Bild von unserem Wissen über die Zeit verschafft.“

          Der Geehrte zeigte sich regelrecht überwältigt von der Auszeichnung, die er selbst sozusagen unter den Titel „Der ungreifbare Augenblick“ stellte. „Vielen Dank für diesen großartigen Literaturpreis im Spannungsfeld zwischen Geschichtswissenschaft und Poesie“. Dass er mit einem fiktiven Roman – wenn auch fest eingebettet in die historischen Ereignisse des Kriegsjahres 1944 – diesen Preis erhalte, sei eine besondere Ehre. Bei seiner Ansprache, aber auch der Autorenlesung am Nachmittag sowie zwei Lesungen an den örtlichen weiterführenden Schulen am Tag nach der Ehrung brachte Geiger mehr als eindrucksvoll zum Ausdruck, wie tief er beim Schreiben in die Identität seiner Romanfiguren schlüpft. „Während der Vorarbeiten zu Unter der Drachenwand habe ich allein geschätzt gegen fünfzehntausend Privatbriefe aus der Zeit des sogenannten Dritten Reichs gelesen“, so der Preisträger. „Damit die Charaktere authentisch wirken, muss ich mich vollständig in diese hineinversetzen, muss diese komplett verkörpern“. 

          Musikalisch umrahmt wurde die festliche Preisverleihung durch die Stadtkapelle Bad Wurzach unter Leitung von Dirigentin Petra Sprenger. Nicht fehlen durfte am Tag der Preisverleihung auch der Eintrag von Arno Geiger ins goldene Buch der Stadt Bad Wurzach.

          Weitere Informationen:

          Der Friedrich-Schiedel-Literaturpreis zeichnet Werke aus, die Inhalte der Geschichte des deutschsprachigen Raumes seit etwa 1715 einem breiten Leserkreis menschlich bewegend und in würdiger, literarisch wertvoller Form nahebringen. Der Preis verbindet damit Geschichtswissenschaft und Literatur und ist mit dieser Zielsetzung einmalig in Deutschland.

           

          Der Preis

          Friedrich-Schiedel-Literaturpreis - Der Preis
          Der Preis ist mit 10.000,-- Euro dotiert. Der Friedrich-Schiedel-Literaturpreis der Stadt Bad Wurzach wird alle zwei Jahre in geraden Kalenderjahren vergeben. Über die Vergabe des Preises entscheidet eine unabhängige sechsköpfige Jury. Vorschlagsberechtigt sind ausschließlich die Mitglieder der Jury. Von außen an die Jury herangetragene Vorschläge können, sofern sie schriftlich mit ausreichender angemessener Begründung vorliegen, in die Vorschlagsliste aufgenommen werden. Ein Anspruch darauf besteht nicht. Eigenbewerbungen sind ausgeschlossen. Die Jury ist durch die Auswahl der Preisträger und deren Bücher bestrebt, sowohl in ausgewogener Weise dem Anliegen des Stifters und Initiators des Literaturpreises zu entsprechen, als auch durch ausführliche Begründungen ihre Entscheidungen transparent zu machen.

          Anfänge und Anliegen des Preises
          Am 11. Juli 1981 trug Senator e. h. Friedrich Schiedel seiner Heimatstadt, Bad Wurzach, erstmals mündlich an, ihr einen Literaturpreis stiften zu wollen, dessen Vergabe allerdings nicht auf Autorinnen oder Autoren des oberschwäbischen Raumes eingeengt werden, sondern Historiker und Schriftsteller des gesamten deutschsprachigen Raumes erfassen sollte. Dieses Vorhaben nahm im Jahre 1982 erste Konturen an. An den Verhandlungen nahm auch Professor Dr. Dr. Störig, sein Freund und Weggefährte, teil. Während sich Senator e. h. Schiedel als Initiator und Stifter des Preises verstand, erwies sich Professor Störig (langjähriges Mitglied der Jury) als der belebende und befruchtende Geist, so dass er mit Fug und Recht als der Spiritus rector des Preises bezeichnet werden darf.

          Senator e. h. Schiedel wollte jedoch nicht den erfreulich vielen Literaturpreisen in der Bundesrepublik Deutschland einen weiteren hinzuzufügen. Der mit seinem Namen verknüpfte Preis sollte vielmehr ein unverwechselbares Profil haben. Sein Anliegen war es, einen Preis für Geschichtsschreibung in literarisch wertvoller Form auszuloben. Die literarische Dimension sollte gleichgewichtig stehen neben dem Erinnern, Erzählen und Bewahren geschichtlicher Ereignisse und Tatbestände, denn Geschichte als ein unser gegenwärtiges Denken und Handeln befruchtendes Element wird nur lebendig durch die Sprache. Geschichtliche Vorgänge und Tatbestände objektiv und unverfälscht, zugleich aber mit hoher Erzählkunst und sprachlicher Eleganz einem breiten Leserkreis zu vermitteln, das lag dem Initiator und Stifter besonders am Herzen. Joachim Fest, der spätere Preisträger für das Jahr 1996, unterstreicht in seinem Buch "Aufgehobene Vergangenheit", der Blick in die jüngere Vergangenheit lehre, "dass nichts so viel Unglück, so viel Terror und Schrecken heraufbeschworen hat, wie falsches historisches Bewusstsein". Mit dem Friedrich-Schiedel-Literaturpreis der Stadt Bad Wurzach werden daher Autorinnen und Autoren ausgezeichnet, die Geschichte und Sprache meisterhaft miteinander verknüpfen und Geschichte historisch unverfälscht einem großen Leserkreis nahe bringen, sei es als Sachbuch oder Roman.
           
          Die Kriterien der Preisvergabe wurden in der Satzung für den "Friedrich-Schiedel-Literaturpreis der Stadt Bad Wurzach" vom 26. Mai 1983 wie folgt festgeschrieben:
          "Der Preis wird vergeben an einen lebenden Autor oder eine lebende Autorin deutscher Muttersprache für ein in deutscher Sprache verfasstes Buch. Das Buch soll einen engen Bezug zur Geschichte des deutschen Volks- und Sprachraums der Geschichte etwa von 1715 bis zur Gegenwart haben. Es soll diesen Zeitraum oder einen Abschnitt daraus einem breiten Leserkreis auf der Grundlage des tatsächlichen historischen Geschehens menschlich bewegend und in würdiger, literarisch wertvoller Form nahe bringen, sei es als Sachbuch, sei es als historischer Roman. Das Erscheinen des Buches soll nicht länger als 15 Jahre vor dem Jahr der Preisverleihung liegen. Es darf die geschichtlichen Tatbestände nicht verfälschen."

          Diese Kombination von Geschichte und Literatur habe ihn fasziniert, so der Preisträger für das Jahr 1985, Golo Mann. Er bestätigte dem Initiator und Stifter, dass sich der Preis dadurch in bemerkenswerter Weise von anderen Literaturpreisen abhebe. In der Tat: Alle Preisträger konnten sich mit diesem Anliegen des Preises identifizieren. Bedeutende und angesehene Historiker sowie Schriftsteller haben als Preisträger dem Preis Gewicht verliehen und mit der Annahme des Preises auch dazu beigetragen, diesem hohes Ansehen zu verschaffen.

          Senator e. h. Schiedel hat in den ersten Jahren des Bestehens des Preises als Vorsitzender der Jury ganz wesentlich die Auswahl der Preisträger beeinflusst und damit auch, so sein Nachfolger im Amt, Alois Graf von Waldburg-Zeil, die Richtung für die künftige Arbeit der Jury vorgegeben. Diesem Vermächtnis fühlen sich die Juroren verpflichtet. Der Preis erweist sich inzwischen als ein kultureller Glücksfall sowohl für die Stadt Bad Wurzach als auch für den Landkreis Ravensburg.

          Ort der Preisverleihung

          Friedrich-Schiedel-Literaturpreis - Ort der Preisverleihung
          Bis 2008 fanden die Preisverleihungen im barocken Treppenhaus des Bad Wurzacher Schlosses statt. Seit 2010 erfolgt die Preisverleihung im Kursaal des Bad Wurzacher Kurhauses am Kurpark, Kirchbühlstraße 1, 88410 Bad Wurzach.

          Nächste Preisverleihung

          Nachdem die Verleihung 2020 coronabedingt verschoben werden musste, fand die zwanzigste Verleihung des Literaturpreises zuletzt am Sonntag, 10.10.2021, im Kurhaus am Kurpark in Bad Wurzach statt. Die nächste Verleihung ist geplant für 2023.

          Der aktuelle Preisträger

          Arno Geiger
          ist der aktuelle Preisträger mit seinem geschichtlichen Roman „Unter der Drachenwand“ “ (Carl Hanser Verlag München, 2018).

          Zum Inhalt des Buchs:
          Veit Kolbe verbringt ein paar Monate am Mondsee, unter der Drachenwand, und trifft hier zwei junge Frauen. Doch Veit ist Soldat auf Urlaub, in Russland verwundet. Was Margot und Margarete mit ihm teilen, ist seine Hoffnung, dass irgendwann wieder das Leben beginnt. Es ist 1944, der Weltkrieg verloren, doch wie lang dauert er noch? Arno Geiger erzählt von Veits Alpträumen, vom "Brasilianer", der von der Rückkehr nach Rio de Janeiro träumt, von der seltsamen Normalität in diesem Dorf in Österreich – und von der Liebe. Ein herausragender Roman über den einzelnen Menschen und die Macht der Geschichte, über das Persönlichste und den Krieg, über die Toten und die Überlebenden.

          Frühere Preisträger

          Nachfolgend die Übersicht über die bisherigen Preisträger. Details zu den einzelnen Verleihungen finden Sie unter mehr

          2018 - Wolfgang Brenner
          für sein Buch "Zwischen Ende und Anfang – Nachkriegsjahre in Deutschland“ (dtv-Verlag, München, 2016)

          2016 - Prof. Dr. Herfried Münkler
          für sein Buch "Der große Krieg - Die Welt 1914-1918" (Rowohlt-Verlag, Berlin 2013)

          2014 - Philipp Blom
          für sein Buch "Der taumelnde Kontinent, Europa 1900-1914" (Carl-Hanser-Verlag, München 2009)

          2012 - Dr. Gustav Seibt
          für sein Buch "Goethe und Napoleon - Eine historische Begegnung" (C.H.-Beck-Verlag, München 2008)

          2010 - Dr. phil. Ehrhardt
          für sein Buch "Unsere Revolution - Die Geschichte der Jahre 1989/90" (Piper-Verlag GbmH, München 2008)

          2008 - Bettina Baláka
          für ihr Buch "Eisflüstern" (Literaturverlag Droschl, Graz - Wien 2006)

          2006 - Wibke Bruhns
          für ihr Buch "Meines Vaters Land - Geschichte einer deutschen Familie (Ullstein Buchverlage GmbH, Econ, Berlin 2004)

          2004 - Arno Surminski
          für sein Buch "Sommer vierundvierzig oder Wie lange fährt man von Deutschland nach Ostpreußen" (Ullstein-Verlag, Berlin 1997)

          2002 - Prof. Dr. Heinrich August Winkler
          für seine zweibändige deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrunderts "Der lange Weg nach Westen" (C.H.-Beck-Verlag, München 2000)

          2000 - Günter de Bruyn
          für seine autobiografischen Bücher "Zwischenbilanz - Eine Jugend in Berlin", "Vierzig Jahre - Ein Lebensbericht", und sein Buch "Die Finkensteins - Eine Familie im Dienste Preußens"

          1998 - Dr. Brigitte Hamann
          für ihr Buch "Hitlers Wien - Lehrjahre eines Diktators" (Piper-Verlag, München - Zürich 1996)

          1996 - Dr. h.c. Joachim Fest
          für sein Buch "Staatsstreich - Der lange Weg zum 20. Juli"

          1994 - Christian Graf von Krockow
          für sein Buch "Preußen - eine Bilanz"

          1992 - Dr. Martin Walser
          für sein Buch "Verteidigung der Kindheit"

          1990 - Helmut Schmidt
          für sein Buch "Menschen und Mächte"

          1989 - Hilde Spiel
          für ihr Buch "Glanz und Untergang, Wien 1866 bis 1938"

          1987 - Horst Bienek
          für sein Buch "Erde und Feuer"

          1985 - Golo Mann
          für sein Buch "Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts", Auszug als "Deutsche Geschichte 1919 bis 1945"

          1983 - Sebastian Haffner
          für sein Buch "Anmerkungen zu Hitler"

          Die Stiftung "Friedrich-Schiedel-Literaturpreis" und ihre Organe

          Die Organe der Stiftung

          Der Vorstand:
          Vorsitzender ist der jeweilige Bürgermeister der Stadt Bad Wurzach, derzeit Bürgermeisterin Alexandra Scherer

          Der Beirat:
          Vorsitzender ist der jeweilige 1. Bürgermeisterstellvertreter, derzeit Stadtrat Klaus Schütt

          Die Jury:
          Rechtsanwalt Dietrich von Buttlar, München (Vorsitzender)
          Prof. Dr. Walter Bernhart, Graz
          Herr Michael Krüger, München
          Bürgermeister a.D. Helmuth Morczinietz, Bad Wurzach
          Dr. Ute Schmidt-Berger, Bad Salzschlirf/Fulda
          Prof. Dr. Joachim Scholtyseck, Bonn

          Friedrich Schiedel (Gründer)

          Friedrich Schiedel - Der Initiator und Stifter
          Senator e. h. Friedrich Schiedel wurde am 13. September 1913 in Baierz, heute Stadt Bad Wurzach, geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Hauerz, heute ebenfalls Stadt Bad Wurzach, und dem Gymnasium in Ellwangen studierte er an der Landwirtschaftlichen Hochschule und danach am Polytechnikum in München und wurde Bauingenieur. In den Jahren von 1942 bis 1945 war er zum Kriegsdienst eingezogen.

          Ein Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahre 1946, gründete er seine erste Firma, die Einzelfirma Erbacher Bauwaren "mit zwei geliehenen Schaufeln und einer geliehenen Schubkarre", wie er stets gern erzählte. Bereits im Jahre 1947 spezialisierte er sein Betonwerk in Erbach zu einem Kaminwerk, dessen Herstellungssortiment im Jahre 1951 ausschließlich auf die Fabrikation von doppelwandigen Kaminen reduziert wurde. Die Firma produzierte von nun an unter dem Namen "Schiedel" mit 17 Mitarbeitern auf eigenem Grund und Boden. 1952 wurde die Produktion von Kaminsteinen in München aufgenommen.

          In den Jahren von 1961 bis 1966 baute Senator e. h. Schiedel mehrere Produktions- und Vertriebsstätten in den Ballungszentren der Bundesrepublik Deutschland auf und 1966 auch in der Republik Österreich. Im Jahre 1971 wurde in München ein zentrales Verwaltungsgebäude errichtet. In den Jahren von 1971 bis 1990 baute er den Geschäftsbetrieb immer weiter aus, er war alleiniger Gesellschafter der Friedrich Schiedel Holding GmbH in München und der Friedrich Schiedel Holding Ges.m.b.H in Österreich. 1990 übertrug er die Schiedel-Firmengruppe in der Bundesrepublik Deutschland und 1991 die in der Republik Österreich an die Firma Braas GmbH.

          Hinter dieser schlichten Darstellung des Aufstiegs aus ländlichem Umfeld zum Unternehmer und Mäzenat verbirgt sich eine äußerst erfolgreiche und herausragende Lebensleistung. Senator e. h. Friedrich Schiedel war als Unternehmer weitsichtig in seinem Denken, hatte stets klare Vorstellungen und Konzepte und war tatkräftig in seinem Handeln. Dabei hatte er immer ein offenes Herz für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denen er in seiner "Schiedel-Familie" ein strenger, manchmal auch lautstarker Chef war, jedoch immer voller Fürsorge und nach einem reinigendem Gewitter auch wieder freundschaftlich zugetan. So war das Humankapital seiner "Schiedel-Familie" ein entscheidender Faktor für seine prosperierenden Unternehmensgruppen. Sicherlich waren es die besonderen Umstände in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Städte in den deutschen Landen noch in Schutt und Asche lagen, die einer Persönlichkeit vom Schlage des Senators e. h . Schiedel auch große Chancen eröffneten. Gerade in dieser Zeit waren Persönlichkeiten gefragt, die zupackten, ohne Scheu und ohne lange zu zögern. Als ein gestandener Mann seiner Generation war die Triebfeder seines Handelns damals ganz sicher nicht primär mit dem Willen verbunden, durch eine erfolgreiche mittelständische Unternehmenspolitik auch zum Förderer der Literatur, des Geschichtsbewusstseins und der Wissenschaft zu avancieren, denn seine Anfänge waren in der Tat bescheiden. Was er tat, tat er zuallererst, um als Unternehmer Fuß zu fassen - und auch, um seinen unternehmerischen Beitrag zum Wiederaufbau Deutschlands zu leisten.
           
          Dies ist die eine Seite der Persönlichkeit des Senators e. h. Friedrich Schiedel. Sie allein aber zu skizzieren, würde der enormen Bandbreite seines Wirkens und Schaffens nicht gerecht.
           
          Als Arbeitgeber hatte er stets einen Blick für die sozialen Nöte der Menschen, die ihn umgaben. Ihnen beizustehen, so gut er es konnte, war für ihn einfach selbstverständlich. Als überzeugter Staatsbürger des neuen demokratischen Staates Bundesrepublik Deutschland wollte er aber auch, ohne sich je politisch engagiert zu haben, seinen Beitrag im sozialen und wissenschaftlichen Bereich leisten und als Liebhaber der schönen Künste ebenso Akzente im kulturellen Bereich setzen. Dabei bündelte er sowohl seine Kräfte als auch seine finanziellen Möglichkeiten, gründete mehrere Stiftungen und stattete sie mit ansehnlichen Grundstockvermögen aus:

          • 1982 die Stiftung "Friedrich-Schiedel-Literaturpreis der Stadt Bad Wurzach" mit Sitz in Bad Wurzach,
          • 1982 die Stiftung für Energietechnik in Wien, die die Forschungs- und Lehrvorhaben sowie die damit verbundenen wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Dokumentationen auf den Gebieten der Energietechnik und der Kernfusion fördert sowie die Förderung von Forschungs- und Lehrvorhaben von fusionsrelevanten Hochtechnologien und von Alternativenergien,
          • 1986 die "Friedrich Schiedel-Stiftung in München" zu Gunsten junger, alter, notleidender und kranker Menschen, insbesondere für Kinder und werdende Mütter ("soziale Komponente") und zur Förderung der Institute oder Teil-Institute von Universitäten, insbesondere der Technischen Universität München ("wissenschaftliche Komponente"),
          • 1999 die "Stiftung Friedrich-Schiedel-Wissenschaftspreis zur Geschichte Oberschwabens" mit Sitz in Ravensburg; der Preis wird alle zwei Jahre in ungeraden Kalenderjahren verliehen.

          Bei einem solch umfassenden Engagement als Unternehmer und Mäzenat blieben Ehrungen und hohe öffentliche Anerkennung nicht aus, wobei diese zu erreichen nicht Antrieb seines breitgefächerten Wirkens war, er sich jedoch ob solcher Auszeichnungen freute und sie stets mit einer gewissen Bescheidenheit, aber auch Dankbarkeit mit Blick auf sein gelungenes Lebenswerk entgegennahm. Er war

          • Ehrenbürger der Stadt Bad Wurzach,
          • Ehrensenator der Technischen Universität München,
          • Inhaber des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland,
          • Inhaber des Goldenen Ehrenrings der Gemeinde Nußbach / Oberösterreich,
          • Inhaber des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich,
          • Inhaber des Verdienstkreuzes Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland,
          • Inhaber des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste und die Republik Österreich,
          • Inhaber der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg,
          • Inhaber des Bayrischen Verdienstordens,
          • Inhaber des Silbernen Verdienstkreuzes des Landes Oberösterreich.

          "Mein ganzes Leben lang", so formulierte er in seinem Kodizill, "durfte ich ein gewisses Wohlwollen unseres Herrgotts erfahren, und ich war keineswegs gezwungen, ein finsteres Leben zu führen. Das Gegenteil war der Fall."
           
          In der Tat: Ihm gelang eine außergewöhnliche Lebensleistung. Er nutzte die Gunst der Umstände nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Zusammenwirken verschiedener Charaktereigenschaften wie technischer Sachverstand, kaufmännischer Geschäftssinn, ausgeprägtes Sozialbewusstsein seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie der Öffentlichkeit gegenüber, stets an Musik und Literatur interessiert, von hohem Geschichtsbewusstsein getragen, der Forschung technischer Wissenschaften zugetan, setzte er immer wieder kreative Kräfte frei, mit denen er generös sein außergewöhnliches Lebenswerk garnierte.
           
          Alljährlich nahm er bis in sein hohes Alter als Reiter hoch zu Ross mit eigenem Pferd an der Reiterprozession zur Feier des Heilig-Blutfestes in Bad Wurzach teil. Das Hl.-Blutfest hat er stets als "sein höchstes Fest im Jahreslauf" bezeichnet. Als Hl.-Blutreiter hat er es auch aktiv als ein Fest öffentlichen Glaubensbekenntnisses und heimatlich-religiösen Brauchtums mitgestaltet.
           
          Sein Freund und Weggefährte, Professor Dr. Dr. Störig, kleidete sein Leben und sein Lebenswerk kurz und knapp, aber äußerst zutreffend in die Worte: "Bescheiden in den Anfängen, imponierend im Abschluss."